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Netz, Technik und Privates

Hast du noch Sex oder spielst du schon Golf...

...so, oder so ähnlich, lautet ein spruch den ich selbst noch bis vor kurzem gerne gebraucht habe. Doch dann musste ich mich doch von einigen vorurteilen verabschieden. Aber fangen wir vorne an.

Ich fand Golf schon immer recht interessant. Mehr als tätigkeit, nicht als Sport. Warum ich an dieser stelle zwischen Tätigkeit und Sport unterscheide? Nun, dies soll es mir leichter machen zu unterscheiden. Fußball zum beispiel gilt bei vielen ganz klar als Sport. Warum? Weil viele mit Sport immer automatisch körperliche anstrenung verbinden. Jegliche Freizeitbeschäftigung die nicht anstrengend ist wird nur unter großer häme als Sport bezeichnet. Schach zum beispiel wird auch nur sehr gerne belächelt wenn man es als Sport bezeichnet weil man ja nur rum sitzt und kleine Holzfigürchen über ein Holzbrett schiebt.

So wie viele von Schach dachten, dachte ich auch über Golf. Man geht ein bisschen spazieren, redet, tratscht und schlägt zwischendurch mal einen Ball. Wenn man ambitioniert ist schlägt man den Ball dann auch noch halbwegs weit und gerade aus. Das war aber natürlich nicht das was mich gereizt hat. Mehr die tatsache das es eine Tätigkeit ist die eine gewisse präzision erfordert. Das hat mich gereizt. Was mich jedoch immer abgehalten hat ist leider das was sehr viele von Golf abzuhalten scheint. Der deutsche Golfverband erfährt immer weniger zuwachs. Bei einigen Umfragen kam dann heraus das viele vom Klischee-Umfeld eines Golfclubs abgeschreckt sind. Diesem Klischee nach ist Golf total versnobt und nur etwas für leute die über 50.000 im Jahr verdienen, und sich auch dementsprechend Menschen gegenüber verhalten die nicht in ihrer Gehaltsklasse spielen.

Nun, ein schlauer Mensch sagte einst "Arschlöcher gibt es überall!" und er hatte damit recht! Nachdem zwei meiner Freunde letzten Sommer mit einem Platzreifekurs begonnen hatten wurde Golf immer mehr zum Thema wenn man abends unterwegs war. So wurden mir auch sehr viele dieser Klischees ausgeredet. Ausgeredet trifft es an dieser stelle nicht ganz weil sie, zumindest in meinem Golfclub, nicht den tatsachen entsprechen.

Ich wurde neugierig und nahm an einem kostenlosen Schnupperkurs teil, wie ihn sehr viele Golfclubs anbieten. Diese Chance sollte man auf jeden fall mal ergreifen wenn man sich für die Tätigkeit interessiert. Am ende dieses Schnupperkurses meldete ich mich gleich für den Platzreifekurs an um noch in 2013 fertig zu sein. Das war zeitlich sehr Ambitioniert, aber es war zu schaffen. Darüber wurde mir dann sehr schnell klar das Golf absolut keine Tätigkeit sondern tatsächlich ein Sport ist.

Dabei muss man sich eines klar machen. So ein Golfbag mit einem Halbsatz und ein bisschen Zubehör und verpflegung (man sollte immer etwas zu trinken und was zum Snacken dabei haben (Bannane, Müsliriegel, usw.) kommt schon mal gerne auf ein gewicht von 5-10 kg. Die man alle paar hundert Meter absetzen und wieder aufziehen bzw. hinter sich her ziehen muss. Weiterhin dauert so eine 18 Loch runde auch gerne mal so 4-6 Stunden und dabei legt man auch gerne grob 10km Weg zurück. Und als wäre das nicht schon eine gewisse Anstrengung ist man ja schließlich nicht alleine auf dem Platz und gerade als anfänger hat man erst recht den hang den verkehr auf zu halten. Dementsprechend darf man dabei erst recht nicht trödeln. Das heißt: Wenn man den Ball geschlagen hat, hat man zügig weiter zu gehen. Und das nicht im schlenger gang, sondern zügig!

Das alles zusammen sorgt dafür das es nicht abwägig ist das man nach einer runde Golf gerne duschen möchte. Das erklärt dann auch warum man was zum Snacken dabei haben sollte. Wenn am 12. Loch der Blutzuckerspiegel eine taalfahrt antritt ist man, normalerweise, ziemlich weit weg vom Clubhaus oder Parkplatz. Da möchte man nicht erst zurück laufen. Dementsprechend hat man auch immer ein Telefon bei sich zu tragen, dieses sollte aber bitte Lautlos sein.

Das Umfeld des Clubs ist, zumindest in Bad Münstereifel, sehr angenehm. Die leute erkennen einen als Anfänger und sind daher auch schon mal rücksichtsvoll. Jedoch ist im moment auch noch nicht viel los auf dem Platz. Mal sehen wie das ganze im Sommer aussieht. Man grüßt sich, man redet kurz miteinander, und man erhält auch keine abfälligen blicke weil man "nur" einen schlägersatz von Jordan Golf und keinen von Titleist, Nike oder Mizuno hat. Man bekommt das gefühl das der Sport im mittelpunkt steht. Das ist wohl nicht bei allen Anlagen so. Man hört so einiges von anderen Anlagen wo es primär darum geht zu sehen und gesehen zu werden. Man Spielt ein paar löcher und hängt dann mehr im Clubhaus rum. Das ist jedoch nicht wirklich meine Welt. Ich freue mir lieber einen Ast ab wenn ich an Loch 3 (Par 5 in Bad Münstereifel) "nur" 8 statt der üblichen 10 Schläge brauche oder ich am ende meiner Runde sehe das mir diese Runde gerade fast 5000 Nike Fuel points gebracht hat.

In Golf habe ich jedenfalls eine, für mich, sehr schöne Sportart gefunden die mir (zumindest in Bad Münstereifel) eine wunderschöne aussicht, viel Natur und viel gelegenheit gibt den Kopf mal frei zu bekommen und sich dabei noch ein bisschen zu bewegen.

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